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Hinausschieben der Altersgrenze

Gesellschaftsdiskussion

Hinausschieben der Altersgrenze

verdi Position

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

dieser Tage ist in den Tageszeitungen und Medien davon zu lesen, dass immer mehr Beamtinnen und Beamte, nicht nur bei der Polizei, freiwillig länger arbeiten; also über die gesetzliche Pensionsaltersgrenze hinaus.

Nun wissen auch wir, dass die Motivationen dies zu tun individuell sehr unterschiedlich und im Einzelfall auch verständlich sind. Dennoch sieht ver.di dies mit entsprechender Skepsis und Sorge. Wenn der neue Vorsitzende des Beamtenbundes, Herr Rosenberger, ein solches Verhalten begrüßt und sogar noch eine Erhöhung des Zuschlages fordert, dann zündelt er nicht nur an Sonderaltersgrenzen, sondern konterkariert damit die beruflichen Entwicklungs- und damit Beförderungsmöglichkeiten von jüngeren Beamtinnen und Beamten. Werden da wirklich die Interessen von allen Beamtinnen und Beamten vertreten?

Gerade die Sonderaltersgrenzen im Justizvollzug, bei der Feuerwehr und bei der Polizei haben ihre volle Berechtigungen und ver.di hat sich für deren Erhalt stark gemacht. Die besonderen Arbeitsbedingungen in den Vollzugsdiensten und die sich veränderten gesellschaftlichen Rahmendbedingungen (z.B. Gewalt gegen Einsatzkräfte oder in JVAen) fordern ihren Tribut. Die oft im öffentlichen Dienst vermuteten Schonbereiche gibt es angesichts des massiven Stellenabbau im öffentlichen Dienst schon lange nicht mehr.

Wer die freiwillige Längerarbeit durch finanzielle Anreize ausbauen will, rechtfertigt eine verfehlte Personal- und Ausbildungspolitik der Dienstherren/Arbeitgeber. Einer solchen reicht der Beamtenbund die Hand dafür, dass sie angesichts schon längst bekannten demographischen Herausforderungen versäumt haben für entsprechenden Nachwuchs zu sorgen. Bei allem Respekt gegenüber den individuellen Motivationen, jeder Beamtin und jedem Beamten, die oder der freiwillige über die Pensionsaltersgrenze hinaus arbeitet, muss klar sein, dass er oder sie das berufliche Fortkommen von jüngeren Beamtinnen und Beamten hemmen.

Und den Dienstherren und der Politik sei gesagt: Wenn nicht mehr ausreichend Nachwuchs in vielen Beamtenbereichen gefunden wird, löst man dies nicht durch länger Arbeiten älterer Beamtinnen und Beamten, sondern durch die Schaffung attraktiver Arbeitsbedingungen für junge. Ein Weg wäre die Wochenarbeitszeit. Die 41-Stundenwoche ist ein Relikt von vorgestern und muss aus ver.di Sicht weg!

Und ganz ehrlich: Wir würden uns mehr freuen, wenn Beamtinnen und Beamte die noch in Saft und Kraft stehen, sich ehrenamtlich für die Gesellschaft in Bewährungshilfe, Naturschutz, Flüchtlingsarbeit oder Vereinen engagieren, als jungen Beamtinnen und Beamten Beförderungsmöglichkeiten zu blockieren.

 

Mit kollegialen Grüßen

Markus.Kling
Fachbereich Bund/Länder

Bereich Beamtinnen und Beamte

ver.di - Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft

Landesbezirksverwaltung Baden-Württemberg